Publication: Landwirtschaft und Naturschutz
Abstract
Die Landwirtschaft hat den bedeutendsten Einfluss auf die Biodiversität in Deutschland. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie über 50 Prozent der Landesfläche prägt. Sie gestaltet unsere Kulturlandschaften seit Tausenden von Jahren. Ohne Landwirtschaft wäre Deutschland nahezu vollständig bewaldet. Artenreiche Offenlandlebensräume wie extensiv, also schonend genutztes Grünland oder Streuobstwiesen mit ihren charakteristischen Tier- und Pflanzenarten wie dem Feldhamster, dem Storch oder zahlreichen Knabenkräutern, Tagfalter- und Wildbienenarten sind die Folge landwirtschaftlicher Aktivität, aber heutzutage wirtschaftlich nicht rentabel und gehören damit zu den bedrohten Lebensräumen. Hier liegt die Krux neuzeitlicher Entwicklungen: Während die Landwirtschaft im Laufe der Jahrhunderte in vielen Teilen Zentraleuropas die strukturelle Vielfalt unserer Kulturlandschaften und der damit assoziierten Artenvielfalt vorangetrieben hat, hat sich ihr Einfluss auf die Landschaftsausstattung und Biodiversität spätestens seit den 1960er Jahren überwiegend ins Gegenteil verkehrt.