Publication: Praxis des perioperativen Wärmemanagements in der Kinderanästhesie – eine Fragebogenerhebung auf der Jahrestagung des wissenschaftlichen Arbeitskreises Kinderanästhesie 2022
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Fragestellung: Die Aufrechterhaltung von perioperativer Normothermie gehört zu den 10-N-Qualitätskriterien einer sicheren Kinderanästhesie. Während bei Erwachsenen zahlreiche evidenzbasierte Empfehlungen existieren, ist die Evidenzlage bei Kindern gering. Ziel dieser Arbeit ist, verschiedene Vorgehensweisen und unterschiedliche Strategien zu eruieren.
Methodik: Die Teilnehmer*innen der Jahrestagung des wissenschaftlichen Arbeitskreises Kinderanästhesie der DGAI (16. – 18. Juni 2022 in Kronberg) erhielten einen Fragebogen zu ihrer täglichen Praxis des perioperativen Wärmemanagements bei Kindern. Die 14 Fragen adressierten Herangehensweisen bezüglich Standards, OP-Saaltemperatur, angewendeter Wärmestrategie, Messverfahren sowie Einschätzung der Effektivität. Die Teilnahme war freiwillig und anonym. Ergebnisse: 65 von 94 Fragebogen wurden ausgewertet. Bei 56 % bestehen schriftliche Standards zum perioperativen Wärmemanagement, bei 28 % davon spezifische Standards für Kinder. Die mediane OP-Saaltemperatur für Kinder unter 1 Jahr beträgt 26,0 (erstes bis drittes Quartil: 24,0 bis 26,0) °C, für Kinder über 1 Jahr 24,0 (22,0 bis 24,8) °C. 46 % führen keine aktive Vor- wärmung durch. Die initialen Temperatureinstellungen konvektiver Wärmesysteme betragen 40,0 (38,8 bis 43,0) °C, 89 % verstellen diese im Verlauf nach persönlichen Einschätzungen. Die Körperkerntemperatur (KKT) wird am häufigsten oro- und nasopharyngeal sowie rektal gemessen. Die Prävalenz von perioperativer Hypothermie (KKT < 36 °C) wurde auf 5 (2 bis 10) % geschätzt, jene der Hyperthermie (KKT > 38 °C) auf 10 (5 bis 10) %. 51 % der Befragten beschreiben in ihrer täglichen Praxis eine höhere Rate an Hyperthermien als an Hypothermien. Schlussfolgerungen: Das perioperative Wärmemanagement bei Kindern ist heterogen. Sinnvolle und evidenzbasierte Strategien scheinen dringend erforderlich, um sowohl Hypo- als auch Hyperthermien zu vermeiden.