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Akute Atemwegsinfekte und Antibiotikaverordnungen: Welche Erwartungen haben Patient*innen?

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Zusammenfassung Einleitung Der Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin ist für den globalen Anstieg der Antibiotika-Resistenzen mitverantwortlich. Aufklärungskampagnen, Kommunikationstrainings und Verordnungsfeedback führten zu einer deutlichen Reduktion der Antibiotika-Verordnungen. Basierend auf Daten der Cluster-randomisierten Studie CHANGE-3 steht in der vorliegenden Analyse die Frage nach der patientenseitigen Erwartungshaltung für ein Antibiotikum bei akuten Atemwegsinfektionen im Mittelpunkt. Methoden An der Untersuchung beteiligten sich 106 von 114 Hausarztpraxen in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. 4736 Patientinnen, die von Oktober 2018 bis Mai 2019 mit akuten Atemwegsinfekten in die Praxen kamen, füllten nach der Arztkonsultation einen Fragebogen aus. Die Analyse erfolgte deskriptiv. Ergebnisse 16,7 % der Patientinnen mit akuten Atemwegsinfekten gaben an, Antibiotika von ihren Hausärztinnen erhalten zu haben. 13,3 % der Patientinnen hatten ein Antibiotikum erhofft und 5,5 % gaben an, die/den Hausärztin darum gebeten zu haben. Der geringste Anteil an Antibiotika-Verordnungen entfiel auf Patientinnen, die die Diagnose eines grippalen Infekts vom/von der Ärztin kommuniziert bekamen. Mit spezifischen Diagnosen in Abgrenzung zum unkomplizierten Atemwegsinfekt wurde ein Anstieg sowohl der Anzahl der erhofften als auch der verordneten Antibiotika beobachtet. Diskussion Patientinnen erhalten nach wie vor häufiger Antibiotika, als es von ihnen erhofft wird. Auf Seiten der Hausärzt* innen könnten die Verordnungen nach wie vor aufgrund eines gefühlten Drucks durch die Patientinnen stattfinden, die sich jedoch so nicht in der Erwartungshaltung der Patientinnen widerspiegelt. Neben einer offenen Exploration der Erwartungshaltung der Patientinnen könnten die Stärkung ihrer Gesundheitskompetenz, eine achtsame Arzt-Patienten-Kommunikation und angebotene Wiedervorstellungsmöglichkeiten bei spezifischen Diagnosen den gefühlten Druck auf Seiten der Ärztinnen weiter reduzieren.

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