Publication:
Was kann das Konzept der Diskriminierung für die Medizinethik leisten? – Eine Analyse

Loading...
Thumbnail Image

Date

2021-04-28

Authors

Wiesemann, Claudia

Journal Title

Journal ISSN

Volume Title

Publisher

Research Projects

Organizational Units

Journal Issue

Abstract

Kaum ein Begriff der ethischen Debatten der letzten Jahre hat eine solche Konjunktur erlebt wie der Begriff der Diskriminierung. Eine vergleichende Erörterung des Konzepts einschließlich seiner begrifflichen Nuancen und seiner ethischen Bedeutung für das Gesundheitswesen fehlte jedoch bislang. Ziel dieses Beitrags ist die Entwicklung eines differenzierten Verständnisses von Diskriminierung auf der Basis der philosophischen und soziologischen Literatur vor dem Hintergrund ethisch relevanter medizinischer und pflegerischer Szenarios. Anhand von praktischen Beispielen aus dem Gesundheitswesen erörtern wir die Besonderheiten direkter, indirekter und statistischer Diskriminierung, wir untersuchen die Bedeutung von Absichten und die Rolle von kollektiven Akteuren. Zudem diskutieren wir, welche sozialen Gruppen diskriminiert werden können und welche Rolle Formen epistemischer Ungerechtigkeit dabei spielen. Argumentiert wird, dass das Konzept trotz seiner Komplexität einen signifikanten Mehrwert bietet, weil es erlaubt, Formen der Benachteiligung aufzuzeigen, die über die Verletzung einzelner spezifischer Rechte oder Interessen hinausgehen. Als wissensbasiertes System von großem gesellschaftlichen Einfluss weist das Gesundheitswesen einige Eigenschaften auf, die Diskriminierung begünstigen können. Dies zu erkennen ist unerlässlich, um Diskriminierung wirksam entgegentreten zu können.


Definition of the problem Few concepts in recent ethical debates have enjoyed as much popularity as the concept of discrimination. However, a comparative discussion of the concept, including its conceptual nuances and its ethical significance for health care, has so far been lacking. The aim of this paper is to develop a nuanced understanding of discrimination based on the philosophical and sociological literature against the background of ethically relevant medical and nursing scenarios. Methods Using practical examples from health care, we discuss direct, indirect, and statistical discrimination; we examine the importance of intentions and the role of collective actors. In addition, we analyze which social groups may experience discrimination and the respective importance of forms of epistemic injustice. Conclusions We argue that despite its complexity, the concept offers significant added value because it allows us to highlight forms of disadvantage that go beyond the violation of individual specific rights or interests. As a knowledge-based system of great societal influence, health care exhibits some characteristics that can foster discrimination. Acknowledging this fact is essential in order to effectively address discrimination.

Description

Keywords

Citation

Collections

Endorsement

Review

Supplemented By

Referenced By